La Patum – Corpus Christi in BergaLa Patum

Patum 1Patum 2My friend Anke has come for a visit. She is an absolut fan and expert of the carneval in Cologne/Germany and this weekend we will go to Berga, in the north of Catalunya, to take part in their ‚carneval’.
I wonder what she’ll say.

Since the 15th century at Corpus Christi the town celebrates for 5 days ‚La Patum’. Medieval, theatrical representacions of religious and historical occurences are until today being celebrated in a determined cycle. Doesn’t sound very entertaining and fun and Anke is sceptical. When we arrive in Berga we first have to follow a long path of funfair type installments and until we finally get to see something medieval.
Patum 3It is 20.30 hrs and the market square of the old city centre is getting packed. We position ourselves slightly above the square in front of the church and scan the audience. Many young people with Jeans, hooded shirts, sturdy shoes. Nobody displaying a chic outfit or high heeled shoes. We wonder why. Not that we are wearing any, but normally at these occasions, people flaunt their best gear. At the end of the evening we know why. The people next to us have noticed that we are new to the festival and are giving us hints on what happens when and where, so we don’t miss out on anything. We are astonished about so much hospitality.
Patum 4Next to the church on an improvised stage musicians take their seats. It is nearly half 9 and so jam packed that we can hardly shift our weight from one leg to another. The audience on the square below us seems a homogene mass of bodies. Spirits are high, lively and full of expectacion. The action is supposed to start at half past 9 and I tell Anke that it would be the first time in history that something starts on time in Spain. But in Berga things are different. The clock strikes half past and the spectacle begins.
Flutes, drums and woodwinds play century old tunes and on the square the masses make way for the actors to start their performance. First horseriders and turks representing an old battle, then devils fight angels followed by the first highlight: the guites. Dragonlike creatures whose mouths spray constantly sparks onto the people that try to get out of their reach. Minutes later the amunition is used up, the guites are being guided of the square. Everybody laughs relieved and goes back to their place. It continues with the dance of a giant eagle to a 16th century hymn. The audience is quiet as a church mouse, as the first notes are being played and the eagly dances lightfooted. Slowly the music gets more vividly and all of a sudden everybody starts jumping! 3000 people jumping simultaneously! What a sight! The same scenario when the giants and the dwarfs appear. First quietness, then suddenly, frenzy and jumping. All together the circle of dances take an hour, then half an hour break before it starts all over again. We hang on because we are absolutely intrigued. And off it goes again: the turks, the riders… But at the end of the second part, it is now well past midnight, something else happens. That what makes the Patum unique. The audience begins to disguise. They cover their heads with hats, their faces with scarves, pulling long sleeved shirts even over their hands.
Patum 5Slowly 100 masqueraded figures – the plens – their heads covered with fresh leaves and fire crackers are being guided onto the square. When they have reached their places all street lights are being switched off and the firecrackers are ignited.
The whole square is lit by sparks, it is eerie, as if human piles were burning everywhere. The plens move slowly through the crowd and the air is full of fire, smoke and noise from the exploding crackers. After a few minutes it is over.
The street lights are being switched back on and the plens and audience take of their hoods. Slowly they disperse. Anke and I walk downhill, towards the gates of the city, our heads light, a magic feeling inside, still completely taken aback by the euphoria, the happiness, the wonderful mood, the colors, the music. Anke and I agree: It was completely different from what we expected and very, very impressive. We are happy to have witnessed this amazing and enchanting evening.

After the Patum is before the Patum, the countdown for 2011 already running!

La Patum: declared UNESCO World Cultural Heritage in 2005Patum 1Patum 2Meine karnevalsverliebte Freundin Anke aus Köln ist zu Besuch. Dieses Wochenende werden wir in Berga, im Norden Kataloniens, deren 5. Jahreszeit erleben. Wir sind gespannt. Seit dem 15. Jhd. wird hier zu Fronleichnam 5 Tage lang ‚La Patum’ gefeiert.

Mittelalterliche theatralische Darstellungen von religiösen und geschichtlichen Ereignissen, werden bis heute Jahr für Jahr nach einem festen Ablauf aufgeführt. Das hört sich nicht besonders aufregend und lustig an, Anke ist skeptisch. In Berga angekommen, müssen wir vom Parkplatz erst einen langen Korridor mit Kirmesständen durchlaufen, bis wir endlich etwas vom versprochenen Mittelalter zu sehen bekommen.
Patum 3Es ist halb 9 abends und der Marktplatz in der Altstadt füllt sich bereits mit Leuten. Wir positionieren uns oberhalb des Platzes vor der Kirche und schauen uns das Publikum an. Viele junge Leute mit Jeans und Kapuzenshirts, festen Schuhen. Niemand der sein bestes Sonntagsoutfit oder seine hohen Hacken zur Schau stellt. Erstaunlich. Am Ende des Abends werden wir wissen warum. Die um uns herum Stehenden haben gemerkt, dass wir zum ersten Mal hier sind und wir erhalten Tipps was wann wo passiert und man macht uns sogar ein bißchen Platz, damit wir näher ans Geschehen kommen und besser gucken können. Wir sind freudig erstaunt über so viel Entgegenkommen.
Patum 4Vor der Kirche auf einer improvisierten Empore findet sich das Orchester ein, es ist jetzt fast halb 10 und so voll, das wir Schwierigkeiten haben das Gewicht von einem aufs andere Bein zu verteilen. Der Marktplatz unter uns scheint eine homogene Masse Mensch zu sein. Die Stimmung ist hervorragend, fröhlich, erwartungsvoll – gleich soll es anfangen. Ich witzele noch, dass ich es noch nie erlebt habe das in Spanien etwas pünktlich losgeht, da schlägt die Kirchenglocke und das Spektakel beginnt.
Die Flöten, Trommeln und Holzblasinstrumente spielen die jahrhundertealte Weisen und unten auf dem Platz teilt sich die Menge um Platz für die Akteure der Darbietungen zu machen. Als erstes kommen Reiter auf Pferden und Türken, die eine alte Schlacht darstellen, dann kämpfen Teufel gegen Engel, gefolgt von einem der Höhepunkte, den guites, zwei drachenähnlichen Geschöpfen, die aus ihrem Maul Funkenregen auf die wild auseinanderstobende Menge niederprasseln lassen. Die Munition ist verschossen, die guites werden vom Platz geführt. Alle lachen erleichtert auf und nehmen ihre alten Plätze ein. Weiter geht es mit dem Tanz eines riesigen Adlers zu einer Hymne aus dem 16. Jdh. Die Menge ist mucksmäuschenstill, als die ersten Töne leicht und locker über dem Platz erklingen und der Vogel leichtfüßig dazu tanzt. Langsam wird die Musik eindringlicher und als sich das Tempo ändert, fängt die ganze Menge auf einmal zu springen an. Was für eine Stimmung! Auch als die Riesen, die alten und die neuen Zwerge auftreten – erst ist Ruhe, dann wird auf ein Zeichen in der Musik frenetisch getanzt. Eine Stunde dauert der Ablauf, dann ist eine halbe Stunde Pause und das ganze beginnt von vorn. Wir bleiben auf jeden Fall, das müssen wir uns nochmal ansehen.
Wieder die Türken, die Reiter… Aber nach dem zweiten Durchlauf geht es noch weiter.
Patum 5Die Zuschauer unten auf dem Platz ziehen sich Kapuzen und Stoffhüte über, verdecken Nase und Mund mit einem Tuch, ziehen ihre langärmeligen Shirts bis über die Hände.
Langsam ziehen fast 100 maskierte und mit frischen Laub gekrönte Figuren auf den Platz. Als die plens ihre Positionen auf dem Platz inmitten der Menge erreicht haben, werden alle Lichter ausgeschaltet und die auf ihrem Kopf zwischen dem Grün befestigten Böller werden angezündet. Der ganze Platz ist in Funken getaucht, es sieht gespenstisch aus, als würden überall kleine Scheiterhaufen brennen. Die plens bewegen sich langsam in der Menge und die Luft ist erfüllt von Funken, Rauch und dem Lärm der explodierenden Böller. Nach wenigen Minuten ist es vorbei. Peu a peu werden die Laternen eingeschaltet. Die plens nehmen ihre Masken ab, das Publikum die Kapuzen und Gesichtstücher. Langsam löst sich die Menge auf.
Anke und ich gehen langsam bergab, vor die Tore der Altstadt, im Kopf noch ganz verzaubert, von der Euphorie, der Freude, der Stimmung, den Farben, der Musik.
Wir sind uns einig: Das war ganz anders als erwartet und wirklich beeindruckend.

Nach der Patum ist vor der Patum und so läuft schon heute der Countdown für die nächste‚ 2011.

La Patum: 2005 von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt

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